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Verkehrsgeschichte
Die Entwicklung von Giornico ist eng mit dem Verkehr über den Gotthard verbunden. Dieser hat sich im Verlaufe der Jahrhunderte oftmals gewandelt. Die natürlichen und technischen Möglichkeiten der Transportmittel waren Hauptanlass für die ständigen Veränderungen und Anpassungen der Verkehrswege.

Alle Entwicklungen haben sich in Giornico ausgewirkt. Der einstige Saumpfad und später die Straße waren eng mit dem Ort verknüpft. Die Eisenbahn hat sich auf dem Gemeindegebiet mit interessanten und berühmten baulichen Anlagen festgesetzt. Schließlich hat der jüngste Verkehrsträger - die Autobahn - das Leben im Dorf radikal verändert.

Der alte Saumpfad

Seit Eröffnung der Schöllenen für den durchgehenden Gotthardverkehr um 1230 waren Saumpfade die Verkehrsträger. Träger und Tiere transportierten Menschen und Waren.
Die Talstufe der Biaschina wurde vorerst nicht direkt überwunden. Vielmehr führte von Norden her der Saumpfad ab Lavorgo über Nivo - Chironico - San Pellegrino - Altirolo nach Giornico hinunter. In Giornico gelangt man über die Steinbrücken auf die linke Talseite und weiter gegen Süden. Um 1560 wurde in der Biaschina-Schlucht ein erster Weg angelegt. Dieser war zum Teil am Berg aufgehängt und sehr beschwerlich. Dafür fiel die Überwindung der Höhe bis Chironico hinauf weg.



Säumer- und Transportgenossenschaft Giornico

Giornico war Sitz einer Säumer- und Transportgenossenschaft, die für Personen und Waren das Transportmonopol besass. Ihr Hoheitsgebiet reichte von Faido/Chiggiogna bis Giornco und einige Zeit auch bis Biasca. Im Dorf befanden sich Ställe, Gasthäuser, kleine Kaufläden und Gewerbebetriebe, aber keine offizielle Sust. Die Genossenschaft hatte nicht nur das Vorrecht des Transportmonopols, sondern sie hatte auch die Pflicht zum Ausbau und Unterhalt von Weg und Steg in ihrem Bereich. Mit einer Kehrordnung wurde der Arbeitseinsatz der Säumer geregelt. Der Bemessung und Bezahlung von Transportgebühren wurden Gewichtseinheiten zugrunde gelegt. Man rechnete in Giornico mit den Mailänder Maßen und Gewichten. Ennet dem Gotthard in Uri rechnete man mit den ganz anders festgelegten Zurzacher Gewichten. Beim Viehexport der Innerschweizer kamen oft lange Vieh-Karawanen über den Saumpfad bis hinunter zu den Viehmärkten von Lugano und Varese.

Postboten

Bereits im 15. Jahrhundert wurde eine Botenlinie für Briefpost über den Gotthard eingerichtet, die sporadisch funktionierte. Der Läuferbotendienst von Zürcher Kaufleuten verkehrte ab 1615 regelmäßig. Am Ende des 17. Jahrhunderts wurden Reiterposten eingerichtet. In den folgenden Jahrzehnten stritten sich Orte, Unternehmer und Kaufleute um Postpachten. Im 18. Jahrhundert wuchsen die Postkurse zu kleinen Karawanen an und waren von den Saumkolonnen der Teilergenossenschaften kaum mehr zu unterscheiden. Die durchziehenden Postboten kehrten natürlich in Giornico oftmals ein.

Fahrstraße

In der napoleonischen Zeit ab 1799 brachen der Handel und Verkehr am Gotthard fast ganz zusammen. Soldaten zogen nun vorbei. Güter- und Postbeförderung kamen ab 1815 wieder langsam in Gang. Der junge Kanton Tessin baute bis 1818 etappenweise die neue Fahrstraße vom Süden her bis Giornico. Da die Urner vorerst Widerstand gegen eine Gotthard-Straße leisteten, bauten die Tessiner und Bündner die Straße über den San Bernardino und mit den Österreichern die Splügenstraße. Dies bewirkte in Uri Alarmstimrnung. Der Bau einer Gotthard-Fahrstraße kam nun rasch in Gang. Bis 1830 war die durchgehende Verbindung vollendet. Damit wurden in Giornico die Säumer arbeitslos. Mit ihnen aber auch Gastwirte, Kaufleute und Gewerbetreibende.

Auf der neuen Fahrstraße wurde ab 1830 die Reiterpost durch eine Wagenpost ersetzt. Vorerst kamen Einspännerkutschen mit 2 bis 3 Plätzen zum Einsatz. Ab 1842 begann die Zeit der großer Gotthardpost mit funfspännigen Zehnplätzerwagen. Im Herbst 1849 nahm die Eidgenössische Post ihren Betrieb auf und ersetzte damit die Kantonalposten. Gleichzeitig wurden Binnenzölle und kantonale Münzwährungen abgeschafft. Die Reisedauer mit der Postkutsche von Basel bis Mailand betrug nun rund 50 Stunden.

In Giornico machten nicht nur die gewöhnlichen Postkutschen, sondern auch die Eilwagen Halt. Die Gotthardpostlinie wurde am 1. Juni 1882 mit Eröffnung der Gotthardbahn eingestellt.

Gotthardbahn

Das neue Verkehrsmittel Eisenbahn machte an den Alpen nicht Halt. Die enorme Zunahme der Verkehrsbedürfnisse rief nach Alpen-Transversalen. Nach langen Auseinandersetzungen über Linienführungen fiel 1863/64 ein entscheidender Durchbruch zugunsten des Gotthards.

Hohe Ingenieurkunst war nötig, Um die schwierigen Verhältnisse am Berg zu bewältigen. Die Gotthardbahn wurde zwischen 1872 und 1882 gebaut. In Giornico war die besonders problematische Biaschina zu überwinden. Dies geschah mit den beiden Kehrtunnels Pianotondo von 1508 m Länge und Travi mit 1547m Länge. Das Gebiet war damals während den Jahren 1878 bis 1882 eine riesige Baustelle mit hohen Anforderungen.

Der erste Bahnhof Giornico lag 3 km nordwestlich des Dorfes. Die Verbindung wurde mit einem kleinen Kutschendienst hergestellt.

1920 bekam Giornico mit der Elektrifizierung der Gotthardbahn einen neuen Bahnhof in Dorfnähe. Gleichzeitig wurde das Unterwerk in Betrieb genommen. Schließlich wurde auch die neue Bogenbrücke vom Dorf zur Station dem Verkehr übergeben.

Seit 1974 ist die Station Giornico personell nicht mehr besetzt. Die Anlagen werden von der Fernsteuerung Lavorgo überwacht und bedient.


Autobahn

Die alte Kantonsstraße war den Anforderungen des Autoverkehrs nicht mehr gewachsen. Nach dem Konzept des Bundes für den Nationalstraßenbau war in der Leventina ein schwieriger Abschnitt der N2 zu erstellen. Im Jahre 1980 erfolgte die Eröffnung des Gotthard-straßentunnels. 1984 konnte der Abschnitt Chiggiogna - Giornico in Betrieb genommen werden. Damit wurde das Dorf Giornico endlich vom lästigen Durchgangsverkehr weitgehend entlastet. 1985 wurde das Teilstück Giornico - Biasca dem Verkehr übergeben.



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